Mecklenburg-Vorpommern und olympischer Bahn-Radsport. Das hat schon eine gewisse (Medaillen-)Erfolgstradition und reicht bis nach München 1972 zurück.

Damals gewann der gebürtige Rostocker Günther Schumacher Gold mit dem bundesdeutschen Bahn-Vierer und wiederholte den Triumph 1976 in Montreal. Dann kam der gebürtige Hagenower und Wahl-Schweriner Stefan Nimke und erkämpfte bei den Spielen 2000 in Sydney, 2004 in Athen und 2008 in Peking einmal Gold, einmal Silber bzw. zweimal Bronze plus Bronze bei den Paralympics 2016, wobei das Gold im Teamsprint 2004 alles überstrahlt.

 Und auch drei Rad-Amazonen traten erfolgreich in die olympischen Pedale - die gebürtige Wismarerin Katrin Meinke (RSC Cottbus) zeigte ihr großes Können mit guten Platzierungen in Athen 2004 (Platz sechs im Sprint, Platz neun im Punktefahren, Platz elf im Zeitfahren), die gebürtige Röbelerin Kathrin Freitag (Frankfurter RC 90) überzeugte mit sehr guten Leistungen in Sydney 2000 (Platz neun im Sprint, Platz sieben im Zeitfahren) und die gebürtige Kaiserslauterin Miriam Welte, die bis 2012 für das Track Cycling Team M-V startete, schaffte Olympia-Gold 2012 in Athen und Olympia-Bronze 2016 in Rio, jeweils im Teamsprint.

 Aber eine Dassowerin ist auf dem besten Weg diese Bilanz in Paris 2024 deutlich "aufzuhübschen". Die 24jährige Lea-Sophie Friedrich ist derzeit wohl die kompakteste, vielseitigste und talentierteste Bahn-Radsportlerin weltweit und unterstrich ihre Qualitäten bei den EM Anfang Januar in Glasgow mit zweimal Gold im Teamsprint bzw. Keirin und Silber im Einzelsprint.

Überhaupt ist Leas internationale Bilanz mit einem "WOW-Effekt" verbunden: Von 2019 bis 2024 gewann Lea sage und schreibe 28 Medaillen bei den internationalen Elite-Meisterschaften (WM, EM, Olympia), darunter achtmal Gold bei WM, achtmal Gold bei EM und Olympia-Silber im Teamsprint 2021 in Tokyo. Zusätzlich, von 2017 bis 2020, weitere 17 Medaillen bei internationalen Nachwuchsmeisterschaften auf globaler und europäischer Ebene, darunter achtmal Gold, allein viermal Gold "auf einmal" bei den U 23-EM 2020. Das ist einfach nur "mega".

 Nun geht es nach Paris - zu neuen olympischen Herausforderungen.

 Nachgefragt bei Lea über die bisherigen Wettkämpfe 2024, die Vorbereitung auf die Spiele in Paris, die olympischen Ziele und ihren Ausgleich zum Bahnradsport

 "Ich persönlich mag die Bahn sehr!"

Frage: Lea, die EM in Apeldoorn 2024 sind doch sicher Rückenwind für Olympia in Paris. Wie beurteilst Du Deinen Einstieg ins Sportjahr 2024?

Lea: Ja, ich bin mehr als zufrieden mit meiner Performance dort und bin froh, mich so präsentiert zu haben. Ich denke, es war auch gut für mich zu sehen, wo ich Anfang des Jahres stehe und wie gut meine Form schon ist.

Frage: In sechs Monaten beginnen die Spiele. Wie sieht Dein Fahrplan bis Paris aus?

Lea: Wir haben jetzt noch einen Weltcup in Hongkong im März und dann beginnt der Aufbau für Olympia.

Frage: Wie bewertest Du das olympische Bahnradsport-Zentrum 2024? Sind dort auch neue Weltrekorde zu erwarten?

Lea: Ich denke, dass dort Rekorde gefahren werden, weil es eine sehr schnelle Bahn ist. Ich persönlich mag die Bahn sehr!

Frage: Olympia hat bekanntlich seine eigenen Gesetze... Was sind jedoch Deine Ziele?

Lea: Das spreche ich nicht gerne aus, aber natürlich möchte ich wieder um die Medaillen fahren.

Frage: Britinnen, Amerikanerinnen, Niederländerinnen, Chinesinnen und vor allem die auf den Heimvorteil bauenden Französinnen dürften die stärksten Mitstreiterinnen sein. Wie ist Deine Ansicht zur gegenwärtigen internationalen Konkurrenz-Situation im Bahnradsport der Frauen?

Lea: Die Konkurrenz schläft nicht und die genannten Nationen werden auch immer besser! Ich hoffe, wir können sie schlagen, aber dafür müssen wir noch weiter an uns arbeiten und es muss alles perfekt stimmen.

Frage: Wann geht es eigentlich für Dich nach Paris?

Lea: Wir fahren, glaube ich, zwei Wochen vor dem Wettkampf dorthin.

Letzte Frage: Immer nur „radeln“ geht selbst in einem Olympia-Jahr nicht... Bleibt noch Zeit für Hobbies, berufliche Ambitionen und die Familie?

Lea: Leider habe ich nicht so viel Zeit, aber wenn ich es schaffe, versuche ich meine Freunde und Familie - so oft es geht - zu besuchen. Das ist mittlerweile mein Hobby.

 

Vielen Danke und großes Daumendrücken für Paris!

 

Die Fragen stellte: Marko Michels.