Olympia 2024 in Paris ist bereits wieder Geschichte und damit auch das olympische Boxturnier, für das sich 248 Boxsportlerinnen und Boxsportler aus 68 Ländern qualifizieren konnten. Gekämpft wurde in sieben Gewichtsklassen bei den Herren und in sechs Gewichtsklassen bei den Frauen, wobei die Vorrunden in der Arena Paris Nord und die Finalkämpfe im altehrwürdigen Roland Garros Stadion stattfanden. Erfolgreichste Boxstaffel wurde das Team aus Usbekistan mit fünf Goldenen – gewonnen bei den Herren – vor China mit dreimal Gold – sämtlich bei den Frauen. Die restlichen Goldmedaillen teilten sich Kuba, das dieses Mal weit hinter den Erwartungen zurück blieb, Taiwan, Algerien, Irland und die Ukraine.

Aus deutscher Sicht holte Nelvie Tiafack Bronze im Superschwergewicht. Halbfliegengewichtlerin Maxi Klötzer und Mittelgewichtler Magomed Shachidow gelang es leider nicht, bis ins Halbfinale vorzudringen.

Ansonsten sicherten sich 32 Länder das boxsportliche Edelmetall in Paris – auch im Boxsport wird der Konkurrenzkampf immer härter, immer mehr Länder fördern diese traditionsreiche Sportart.

Vor Ort in Paris war ebenfalls die 41jährige Rostocker Kampfrichterin Susann Köpke. Bereits bei den Spielen 2021 in Tokyo war sie im Ring und überzeugte mit ihren ausgezeichneten Qualitäten als Kampfrichterin. So leitete sie vor drei Jahren das olympische Finale im Frauen-Boxen im Federgewicht zwischen Nesthy Petecio (Philippinen) und Sena Irie (Japan), das die Japanerin seinerzeit mit 5:0 für sich entschied. Und auch 2024 waren die Leistungen von Susann Köpke wieder herausragend. In Paris leitete sie das Finale im Weltergewicht im Männer-Boxen zwischen Asadkhuja Muydinkhujaev (Usbekistan) und Marco Verde (Mexiko), das klar an den Usbeken mit 5:0 ging.

Wie beurteilt nun Susann Köpke, die auch in Schwerin schon zahlreiche Kampfrichterinnen-Einsätze hatte, das olympische Box-Geschehen in Paris?!

Susann über das olympische Boxturnier 2024, das olympische Paris und die Stimmung vor Ort

"In Paris wurde Olympia gelebt!"

Frage: Das olympischer Boxturnier 2024 ist abgehakt. Wie lautet Ihr persönliches Olympia-Resümee? 

Susann Köpke: Es waren für mich - zwischen dem 24.Juli und 11.August - sehr ereignisreiche Tage, die mich auch forderten, so leitete ich sieben Kämpfe im Ring. Der Höhepunkt war dabei zweifellos das Finale im Weltergewicht zwischen einem usbekischen und einem mexikanischen Boxsportler. Die Atmosphäre auch zu diesem Finale war gigantisch. Sowohl die usbekischen als auch die mexikanischen Fans machten Stimmung auf den Rängen, unterstützten ihre Kämpfer, wobei es sich anfühlte, als ob die Hälfte im Stadion Roland Garros Mexikanerinnen und Mexikaner waren. Die usbekischen Fans sorgten außerdem für viel Begeisterung, was nicht verwunderte, wurde doch die usbekische Boxstaffel bei diesen Spielen die erfolgreichste. Bei den Kämpfen mit französischer Beteiligung ging es natürlich ebenfalls hoch her. Es war aber ein sympathischer Lokalpatriotismus. Letztendlich applaudierte das Box-Publikum fair und zollte jeder Boxerin und jedem Boxer Respekt, gleich woher sie/er stammte. Das Niveau des olympischen Boxturnieres war außerordentlich hoch - sowohl bei Frauen wie bei Männern. Zu Recht ist der Boxsport weiterhin im olympischen Programm, zumal auch relativ viele Länder am Medaillen-Reigen beteiligt waren. - Glücklicherweise auch Team D - dank Superschwergewichtler Nelvie Tiafack.

Frage: Wie war die Stimmung, das Drumherum insgesamt in Paris? Konnten Sie auch weitere Wettkämpfe besuchen?

Susann Köpke: In Paris wurde Olympia gelebt. Die Pariserinnen und Pariser, die während der Spiele in ihrer Stadt blieben, waren echte Olympia-Enthusiasten. Sie trugen die offiziellen Olympia-Shirts, waren gegenüber Touristen und Athleten sehr freundlich und man merkte ihnen die Freude sichtlich darüber an, Olympische Spiele wieder ausrichten zu dürfen. Die Einheimischen, die Olympia nichts abgewinnen konnten, vermieteten hingegen ihre Häuser oder Wohnungen an Olympia-Touristen, fuhren aufs Land oder in den Urlaub. Paris präsentierte sich als begeisterte und traditionsreiche Olympia-Stadt. Allerdings gab es auch einige Wermutstropfen: Die Preise für Eintrittskarten und Unterkünfte waren astronomisch. Die Hotel-Kosten waren dabei schon extrem. In dem Hotel, in dem wir als Kampfrichterinnen untergebracht waren, kostete zum Beispiel eine Übernachtung 630 Euro... Eigentlich wollte ich gern noch andere Wettkämpfe besuchen, aber irgendwann ist auch in meiner Geldbörse ein Limit erreicht. Ich machte zumindest Sightseeing und erkundete - sofern es die knappe Zeit erlaubte - Paris. Es ist eine sehr schöne, aber auch sehr teure Stadt.

Letzte Frage: Wie geht es jetzt für Sie in puncto Box-Kampfrichterinnen-Dasein weiter? Stehen die nächsten Höhepunkte schon auf der Agenda?

Susann Köpke: Für meine verschiedenen Kampfrichterinnen-Einsätze, ob national und international, unter anderem bei den olympischen Qualifikationsturnieren und eben bei Olympia, ist mein Urlaub komplett verbraucht. Ich mache das ja nur "nebenbei", muss meine Brötchen jenseits des Boxsportes verdienen. Ich kann mich nur bei meinem Arbeitgeber, der Hermann Stitz & Co Rostock KG, bedanken, der meine Leidenschaft für den Boxsport bisher so unterstützte. Wie es nun als Box-Kampfrichterin weiter geht? - Mal schauen. Ich möchte endlich einmal richtigen Urlaub machen, mein letzter liegt vier Jahre zurück... Bis dato steht konkret in diesem Jahr noch kein weiterer Einsatz an. Aber wenn, kann ich eh nur an den Wochenenden!

Vielen Dank und weiterhin alles Gute!

Zur Info: Neben der Box-Kampfrichterin Susann Köpke waren im Bereich "Kampfrichter/Trainer/Ärzte" auch andere "MVler" vor Ort in Paris, so die Ringärztin Frau Dr. Angelika Fischer aus Schwerin, der Trainer der niederländischen Nationalmannschaft und zugleich SSC Palmberg-Coach Felix Koslowski, der mit dem Oranje-Team Zehnter wurde, oder die Rostockerin Britta Fiedler-Kamrau als Kampfrichterin beim Langstreckenschwimmen in der Seine. Außerdem fungierte der Rostocker Alexander Schlonski als Trainer des bayrischen Seglers Philipp Buhl, der in der Klasse Laser Rang 13 vor Marseille belegte. Zudem coachte der Rostocker Malte Philipp die türkischen Olympia-Segler 2024.

M.Michels