Paris ruft – und einige Athletinnen und Athleten bzw. Kampfrichterinnen und Kampfrichter aus M-V, darunter auch aus Schwerin, werden dem Ruf folgen.

Die XXXIII. Olympischen Spiele in Paris vom 26.Juli 2024 bis 11.August 2024 rücken immer näher. Das „Olympia-Team M-V“ umfasst dabei einige Athletinnen und Athleten, die entweder in M-V geboren wurden, in M-V ihren Verein hatten bzw. haben oder zumindest regelmäßig hier trainieren. Dazu kommen aus M-V noch Kampfrichterinnen, Trainer und medizinisches Personal für Paris…

So sind Wasserspringen, die Leichtathletik, Rudern, der Kanu-Rennsport, Handball, der Bahn-Radsport, Hallen-Volleyball, Beach-Volleyball, Boxsport, Schwimmen und Judo unter den „MV-Sportarten“ der 2024er Spiele.

Rostockerinnen Jette Müller und Saskia Oettinghaus mit Ambitionen im Wasserspringen

Erfolgreiche Sprünge ins Wasser zeigten nicht nur in dieser olympischen Saison 2024 die beiden gebürtigen Rostockerinnen Jette Müller und Saskia Oettinghaus. Während Jette für den WSC Rostock antritt, ist Saskia, die bis 2019 ebenfalls Rostocker WSC-Athletin war, mittlerweile Mitglied beim Dresdner SC von 1898, trainiert jedoch in Berlin. Beide Wasserspringerinnen feierten schon im Nachwuchsbereich großartige Erfolge und überzeugten auch im Elite-Bereich, ob bei WM, EM oder Universiaden. Zwei Rostocker Wasserspringerinnen in Paris… Das lässt auf vordere Platzierungen, auf Finalteilnahmen hoffen. Und das lässt große Rostocker Wassersprungtraditionen lebendig werden – von Ingrid Krämer bis Dörte Lindner. Nur zwei berühmte Rostocker Wasserspringerinnen von vielen! Vielleicht werden Jette und Saskia ähnlich berühmt?! Auch L.A. 2028 und eventuell Brisbane 2032 könnten für beide noch ein Thema sein!

Am Ruder in Paris

Max John, der gebürtige Malchiner und Mitglied des Olympischen Ruderclubs von 1956 in Rostock, wird hoffentlich mit dem Deutschland-Achter - leider ohne den gebürtigen Rostocker und Ruderer bei der Schweriner Rudergesellschaft Hannes Ocik - um den Kampf um die Medaillen eingreifen können. In der olympischen Saison 2024 gab es schon Weltcup-Bronze und EM-Silber für das deutsche „Flaggschiff“.

Marike und Claudine mit Finalchancen

Gute Final-Chancen haben in der Leichtathletik im Diskuswerfen, Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen), die am Bundesstützpunkt Leichtathletik in Neubrandenburg bei Gerald Bergmann trainiert und Claudine Vita vom SC Neubrandenburg, die von Dieter Kollark sportlich betreut wird. Die 27jährige Sportsoldatin und Studentin des Studiengangs „Frühkindliche Erziehung“ an der Hochschule Neubrandenburg, feierte dabei schon einige Medaillen-Erfolge: So wurde Claudine U 20-Europameisterin 2015 in Eskilstuna, U 23-Europameisterin 2017 in Bydgoszcz, U 18-Vize-Weltmeisterin 2013 in Donezk, Universiade-Zweite 2019 in Neapel und EM-Dritte 2022 in München. 

Überhaupt ist Claudine sehr sportlich, zunächst begeisterte sie sich für den Fußballsport, dann für die Leichtathletik, wobei erst einmal  Mehrkampf – dort schaffte sie als Teenager zweimal den deutschen Titel – sowie der Hürdenlauf bzw. der Weitsprung auf der Agenda standen. Für die technischen Disziplinen – neben dem Diskuswerfen war/ist Claudine ebenfalls eine exzellente Kugelstoßerin – wurde sie von Erfolgstrainer Dieter Kollark 2009/2010  entdeckt, als sie noch Mitglied des SG Gaselan Fürstenwalde war. Sie schloss sich schließlich dem SC Neubrandenburg an und besuchte das dortige Sportgymnasium. Dank Dieter Kollark sowie der Kugelstoß-Olympiasiegerin von 1996, Astrid Kumbernuss, konnte Claudine ihr Talent weiter entfalten. Sowohl Marike als auch Claudine qualifizierten sich bereits für die Olympischen Spiele 2021 in Tokyo, wurde Achte (Marike) und Neunte (Claudine).

Am olympischen Handball – Emily Bölk

Nach Paris geht es ebenfalls für eine Ballsportlerin "mit MV-Background"… Eine der besten deutschen Handball-Spielerinnen derzeit - Emily Bölk - hat auch MV-Wurzeln, speziell im Handballsport. Ihre Oma, Inge Stein, und Ihre Mutter Andrea Bölk, geborene Stein, waren beide Mitglieder der DDR- bzw. der deutschen Auswahl. Ihr Vater Matthias kann ebenfalls auf eine erfolgreiche Handball-Karriere zurückblicken.

Mutter Andrea, gebürtige Rostockerin, wurde unter anderem mit der deutschen Frauen-Handball-Auswahl 1992 Olympia-Vierter bzw. 1996 Olympia-Sechster, erreichte WM-Gold 1993 und EM-Silber 1994. Stationen ihrer Karriere waren dabei ebenfalls die TSG Wismar (1975-1983) und der SC Empor Rostock 1983-1990). Emily selbst wurde 2014 mit der deutschen U 18-Auswahl Vize-Weltmeisterin und ist seit Juni 2016 Nationalspielerin des deutschen Elite-Teams. Auf Vereinsebene ist sie aktuell bei Ferencvaros Budapest aktiv.

Im Herren-Handball hat ebenfalls der gebürtige Greifswalder Max Christoph Beneke (rechter Rückraumspieler), der von 2008 bis 2015 für den vorpommerschen Handball-Verein HSV Peenetal Loitz spielte, aktuell bei den Füchsen Berlin aktiv ist, noch Chancen für das olympische Handball-Turnier nominiert zu werden.

Ein echtes Rad-Ass und ein echtes Kanu-Ass

Große (Medaillen-)Ziele haben für Paris nicht zuletzt insbesondere die gebürtige Dassowerin Lea Sophie Friedrich (Bahn-Radsport, Track Team Brandenburg) und der gebürtige Schweriner Peter Kretschmer (Kanu-Rennsport, SC DHfK Leipzig). Lea konnte nach ihren vielen Erfolgen im Nachwuchsbereich auch im Elite-Bereich durchstarten. So erkämpfte Lea zwischen 2020 und 2023 dreizehn WM-Medaillen, darunter achtmal WM-Gold, und zwischen 2020 und 2024 vierzehn EM-Medaillen, darunter achtmal EM-Gold. Bei Olympia 2021 in Tokyo konnte Lea über Silber im Teamsprint jubeln.

Der Canadier-Fahrer Peter Kretschmer war ebenfalls schon sehr erfolgreich: Olympia-Gold mit Kurt Kuschela im Zweier-Canadier über 1000 Meter 2012 in London, viermal WM-Gold zwischen 2013 und 2023 und zweimal EM-Gold zwischen 2017 und 2018. In Paris hofft Peter auf Edelmetall im Zweier-Canadier über 500 Meter mit Tim Hecker.

Mit den Niederlanden nach Paris: Felix Koslowski

Ein Trainer aus der Landeshauptstadt M-V hat in Paris auch Großes vor... Der gebürtige Schweriner Felix Koslowski, seit 2013 Erfolgstrainer beim SSC Palmberg in Schwerin sowie in Personal-Union mit seiner Tätigkeit beim SSC Palmberg von 2015 bis 2021 auch Nationaltrainer der deutschen Frauen-Volleyball-Mannschaft, ist seit Januar 2023 - erneut in Personal-Union mit seiner SSC-Tätigkeit - Nationaltrainer der niederländischen Frauen-Nationalmannschaft, welcher im Juni 2024 die Qualifikation zum Olympia-Turnier in Paris gelang. Im Kader der niederländischen Frauen-Volleyball-Auswahl für Paris stehen mit Fleur Savelkoel, Susan Schut, Anne Buijs, Britt Bongaerts, Indy Baijens, Elles Dambrink und Nova Marring (Stand Anfang Juli 2024) auch Spielerinnen mit früherer oder aktueller Zugehörigkeit zum SSC Palmberg.

Von der Halle „zum Strand unter dem Eiffelturm“

Apropos SSC Palmberg: Louisa Lippmann, die sich zusammen mit Laura Ludwig (beide Hamburger SV), die 2016 zusammen mit Kira Walkenhorst Olympiasiegerin im Beach-Volleyball wurde, für das olympische Turnier im Beach-Volleyball 2024 qualifizierte, hat ebenfalls einen SSC Palmberg-Background. Louisa spielte zwischen 2016 und 2018 und dann noch einmal 2020 für das Team des SSC Palmberg. Von 2014 bis 2022 war sie auch Mitglied der deutschen Frauen-Volleyball-Nationalmannschaft und hatte 2020 erste Einsätze "auf Sand". Seit Frühjahr 2022 ist Louisa eine ambitionierte Beach-Volleyballspielerin, die zusammen mit Laura Ludwig in Paris für eine positive Überraschung sorgen könnte…

Ein Nachfolger auch von Jürgen Schult, dem Diskus-Olympiasieger von 1988?

Diskuswerfer Clemens Prüfer, der gebürtige Rostock mit den Vereinsstationen LAC Mühl-Rosin Güstrow, SC Neubrandenburg und nun SC Potsdam, hofft in Paris auf eine möglichst vordere Platzierung. Völlig berechtigt, denn in dieser Saison steigerte Clemens seine persönliche Bestleistung auf 69,09 Meter. Bereits bei Olympia 2021 in Tokyo war der Hüne dabei, wurde Elfter. Bei den Olympischen Jugendspielen 2014 in Nanjing wurde Clemens sogar Zweiter.

Vielseitig in der Leichtathletik: Sophie Weißenberg

Hoffnungen auf eine vordere Platzierung darf in Paris ebenfalls die gebürtige Neubrandenburgerin Sophie Weißenberg hegen, deren Mutti Heike unter ihrem Mädchennamen Tischler 1990 in Split Vize-Europameisterin im Siebenkampf wurde. Auch Sophie, bis 2019 beim SC Neubrandenburg, seit 2020 TSV Bayer 04 Leverkusen, ist eine ambitionierte Siebenkämpferin, die schon einige Erfolge/Medaillen bei internationalen und internationalen Meisterschaften feierte. Bei den Elite-WM 2023 in Budapest verfehlte sie mit 6438 Punkten den Bronzerang nur um läppische 63 Punkte – ganz eng ging es also bei den 2023er Welttitelkämpfen zu und in Paris 2024 dürfte es ähnlich spannend zugehen.

Scharfe Augen“ und sogar „ein Stetoskop“ gefragt

Aber auch Kampfrichter und Sportmediziner werden vor Ort in Paris sein, so die Rostockerinnen Susann Köpke und Britta Kamrau-Fiedler. Beide können auf eine aktive sportliche Laufbahn zurückblicken und werden in der französischen Metropole als Kampfrichterinnen fungieren.

Britta Kamrau-Fiedler, Jahrgang 1979, war zwischen 1999 und 2008 die weltbeste Langstreckenschwimmerin, erkämpfte 20 WM-und EM-Medaillen, darunter viermal WM-Gold und dreimal EM-Gold, und jubelte 2003 und 2006 jeweils über den Gewinn des Gesamt-Weltcups. Leider verpasste die Hanseatin - von einem Infekt geschwächt - die Olympia-Quali für Peking... Als Kampfrichterin war sie indes bereits erfolgreich bei Olympia, so 2016 in Rio. Und auch 2024 wurde Britta, die inzwischen Oberstaatsanwältin bei der Generalstaatsanwaltschaft Rostock ist, als "Chief Referee" nominiert.

Ihre Kollegin vom Boxsport, Susann Köpke (PSV Rostock), Jahrgang 1983, die von 2002 bis 2009 selbst die Fäuste im Ring fliegen ließ, konnte ebenfalls auch zahlreiche Erfolge als Kampfrichterin feiern. So war Susann - unter anderem - als Kampfrichterin bei zwei Frauen-WM und jeweils einer Studenten-WM, Frauen-EM sowie bei den Commonwealth Games. In 2021 war sie dann als Kampfrichterin beim Olympia-Turnier in Tokyo im Einsatz und leitete dort ebenfalls das Finale im Federgewicht zwischen Nesthy Petecio (Philippinen) und Sena Irie (Japan) am 3.August 2021, das die Japanerin mit 5:0 für sich entschied. Nun geht es nach Paris...

Und auch Dr. Angelika Fischer aus Schwerin wird 2024 wieder als Ring-Ärztin eines Olympia-Turnieres in Paris agieren. Frau Dr. Fischer ist ebenfalls für den BC Traktor Schwerin und den Deutschen Boxverband (Verbandsärztin) seit Jahren aktiv.  So ist Frau Dr. Fischer seit 1993 für den Boxsport in Schwerin aktiv und fungiert seit 1996 als Vorsitzende der Ärztekommission des Deutschen Boxverbandes, ist leitende Verbandsärztin.  Seit 2004 gehört sie zudem der Ärztekommission der EUBC (European Boxing Confederation) an. Seit 2009 ist sie ferner Mitglied der Medizinischen Kommission des internationalen Boxverbandes AIBA, jetzt Mitglied der Medizinischen Kommission von World Boxing. Erste internationale Tätigkeiten als Ringärztin hatte Frau Dr. Fischer bei den Frauen-WM 2010 auf den Barbados, es folgten unter anderem Einsätze bei vier Frauen-WM und zwei Herren-WM. Höhepunkte waren zweifellos auch ihre Einsätze als Ringärztin bei den olympischen Box-Turnieren 212 in London und 2021 in Tokyo. Nun steht Paris 2024 auf der Agenda.

China mit MV-Flagge

Die Kugelstoß-Weltmeisterin 2017 bzw. 2019 Gong Lijiao (China), die beim Neubrandenburger Trainer Dieter Kollark trainiert und auch eine Mitgliedschaft beim SC Neubrandenburg hat(te) sowie bei Olympia 2021 in Tokyo startete – in der japanischen Hauptstadt auch Kugelstoß-Olympiasiegerin wurde - belegte zuletzt bei den WM 2023 Rang drei. Auch Gong Lijiao hofft auf erfolgreiche Spiele 2024.

Segelsportliche Unterstützung durch Rostocker

Olympisch werden die Segel im deutschen Team auch mit Hilfe eines Rostockers gesetzt. Der gebürtige Bayer Philipp Buhl (Laser, jetzt ILCA 7), der schon 2016 in Rio (Vierzehnter) und 2021 in Tokyo (Fünfter) Mitglied des deutschen Olympia-Segel-Teams war, wurde bzw. wird auch weiterhin vom Rostocker Alexander Schlonski, selbst ein segelsportlicher Könner, trainiert. Seit 2017 ist Alexander Schlonski dabei DSV-Bundestrainer für den Bereich Laser, Senioren / ILCA 7, Senioren. Anfang 2020 wurde Philipp - dank der Unterstützung von Alexander Schlonski - erster deutscher Weltmeister in der Klasse Laser. Olympisches Edelmetall auf dem olympischen Revier vor Marseille 2024 ist für Philipp also im Bereich des Möglichen.

Ein weiterer renommierter Rostocker Segelsport-Trainer, der ebenfalls bei Olympia 2024 dabei sein wird, ist Malte Philipp (u.a. Rostocker Yacht-Club). Nach 2000 vor Sydney bzw. 2004 vor Athen (Trainer der türkischen Segler), 2008 vor Qingdao (Bundestrainer beim Deutschen Segelverband) und 2012 vor Weymouth (Trainer der kanadischen Segler) wird die olympische Regatta 2024 vor Marseille (wieder Trainer der türkischen Segler) sein fünfter olympischer Trainer-Einsatz sein.

 Denkbar knapp die Nominierung verpasst: Malin, Andre, Malte und Anastasija

„Hoch zu Ross“ nach Paris wollten auch Vielseitigkeitsreitsportlerin Malin Hansen-Hotopp (Club der Vielseitigkeitsreiter Insel Usedom) und Springreiter Andre Thieme (RFV Plau am See) Paris erreichen. Malin wurde in Haras du Pin (Frankreich) 2023 auf Carlitos Quidditch K Team-Vize-Europameisterin im Vielseitigkeitsreitsport und Andre jubelte 2021 auf Chakaria bei den EM im Springreiten in Riesenbeck über Gold im Einzel und Silber mit dem Team. Und sowohl Malin als auch Andre feierten ebenfalls 2024 hervorragende Platzierungen und Erfolge – die olympische Nichtnominierung der Beiden 2024 ist für das traditionsreiche Reitsportland M-V sehr, sehr bitter…

Denkbar knapp und extrem unglücklich verpasste auch das segelsportliche Duo Malte und Anastasija Winkel (Schweriner Yachtclub/Norddeutscher Regatta Verein) die Olympia-Qualifikation in der Mixed-470er Klasse im Segeln. Beim entscheidenden Qualifikationswettkampf für Olympia, den EM vor Cannes, hätte es für das segelsportliche Ehepaar der achte Rang sein müssen - es wurde leider nur Platz zehn. In den dreiteiligen Qualifikationsregatten, insgesamt 31 Wettkampfrennen, setzten sich ihre Konkurrenten Simon Diesch/Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee) haarscharf mit 42:40 Punkten gegen Malte und Anastasija Winkel durch... Knapper ging es fast nicht!

Im letzten Jahr (2023) hatte das Segel-Ehepaar Winkel mit Silber beim olympischen Test-Wettkampf vor Cannes überzeugt und unter anderem auch den Bronze-Platz bei der "French Olympic Week" belegt…

Aber Los Angeles 2028 dürfte für Malin, Andre, Malte und Anastasija noch ein lohnendes Ziel sein.

Von den Olympics zu den Paralympics in Paris

Sind die XXXIII. Olympischen Spiele in Paris Geschichte, folgen die XVII. Paralympischen (Sommer-)Spiele vom 28.August 2024 bis 8.September 2024 an gleicher Stelle.

Aus MV-Blickwinkel haben noch einige Para-Athletinnen und -Athleten beste Teilnahme- und sogar Medaillen-Chancen in Paris.

Goldene Zeiten für Lindy auch in Paris?

 So dürfte die gebürtige Neubrandenburgerin Lindy Ave vom Verein Leichtathletik inklusiv Greifswald e.V. erneut sehr gute Chancen auf Edelmetall, möglicherweise erneut Gold, in der Para-Leichtathletik haben. So gewann Lindy, die seit dem Sommer 2022 stolze Mutter ist, bei den Paralympics 2021 Gold über die 400 Meter (mit Weltrekord) und Bronze über die 100 Meter. Bereits 2016 in Rio de Janeiro war Lindy am Start und belegte dort herausragende Platzierungen – Rang fünf über 100 Meter, Rang sechs im Weitsprung und Rang vier mit der 4 x 100 Meter Staffel.

Hanna mit Paris-Chancen

Nach Paris begleiten könnte Lindy aus MV-Sicht auch Hanna Wichmann vom 1.LAV Rostock geben. Insbesondere im Keulenwurf hat die ambitionierte Athletin große Ziele. So verlief die paralympische Saison 2024 sehr stabil für Hanna und sie konnte beständig über die 21 Meter mit der Keule werfen. Allerdings: Es besteht nur noch eine zwanzigprozentige Chance für Hanna, in Paris dabei zu sein, weil Deutschland nur wenige Startplätze hat. So trainiert Hanna sechsmal in der Woche im Umfang von anderthalb bis zwei Stunden täglich, mittwochs sogar zweimal. Beeindruckende internationale Erfolge feierte die Para-Leichtathletin ebenfalls schon, so wurde sie bei den EM 2018 Zweite (Keulenwurf) bzw. Dritte (Kugelstoßen) und belegte bei den IPC-WM 2019 in Dubai Rang sechs (Keulenwurf) bzw. Rang sieben (Kugelstoßen).

Kann auch Vanessa erneut Gold schürfen?

Goldene Ambitionen hat hingegen – wie Lindy Ave - die gebürtige Schwerinerin Vanessa Low, die seit 2017 für Australien startet. Die Para-Leichtathletin wird in Paris ihre vierten Paralympischen Spiele bestreiten. So gab es für Vanessa bei ihrer paralympischen Premiere 2012 im Weitsprung Rang sechs und über die 100 Meter Rang vier. Edelmetall schaffte die seinerzeit für den TSV Bayer 04 Leverkusen startende Para-Leichtathletin dann 2016 – Gold im Weitsprung und Silber über die 100 Meter. Als Australierin triumphierte Vanessa dann 2021 in Tokyo erneut im Weitsprung. Wie Lindy Ave wurde Vanessa 2022 Mutter – und kehrte auch nach der Geburt ihres Sohnes Matteo ganz stark in die Leichtathletik-Arena zurück. Bei den IPC-WM 2023 in Paris wurde sie Dritte und bei den IPC-WM 2024 in Kobe sogar Weltmeisterin (wie schon 2015 und 2019).

Schwimmsportlicher Medaillen-Glanz für Verena?

Eine beeindruckende leistungssportliche Karriere weist ebenfalls die gebürtige Greifswalderin Verena Schott, die für den Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportverein e.V in Cottbus startet, auf. So gewann Verena bei den Paralympics 2012 in London Silber über 200 Meter Lagen und bei den Paralympics 2021 in Tokyo jeweils Bronze über 200 Meter Lagen, 200 Meter Brust und 200 Meter Rücken. Bei den IPC-WM schaffte Verena zudem zwischen 2013 und 2023 zweimal Gold, fünfmal Silber und zweimal Bronze. Weiteres Edelmetall könnte und sollte bei den Paralympics 2024 folgen.

Großartige Karriere seit 1992 – Martina Willing

Eine großartige leistungssportliche Karriere kann insbesondere auch die gebürtige Pasewalkerin Martina Willing (wie Verena Schott im Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportverein e.V in Cottbus) vorweisen. Bei bis dato acht Paralympischen Sommerspielen zwischen 1992 und 2021 in der Para-Leichtathletik (Speerwerfen, Kugelstoßen, Diskuswerfen) und zudem bei den Winter-Paralympics 1994 (Ski-Langlauf, Biathlon) war Martina Willing sehr erfolgreich und strebt damit zu ihren neunten Sommer-Paralympics seit Barcelona 1992. Dabei erkämpfte Martina vierzehn Medaillen, darunter dreimal Gold. Martina Willing – ein echtes sportliches Vorbild!

Doch wie stehen Martinas Chancen für Paris?! Aus Sicht von Martina stehen die Chancen auf eine neuerliche Paralympics-Nominierung „50:50 – nicht mehr und nicht weniger“. Dabei kommt es noch auf die letzten zu vergebenden Slots (Startplätzen) an. So hat die Erfolgssportlerin zwar noch nicht die Norm geworfen, aber eine Qualifikation über die Weltrangliste ist noch möglich. Jedenfalls trainiert Martina so, als hätte sie bereits das Ticket für Paris. Das Wichtigste für die dreifache Paralympics Siegerin ist es aber, ihre Brustwirbelsäule und die Rippen wieder in den Griff zu bekommen. So sei das Training gut möglich, aber im Wettkampf gebe es noch Einschränkungen.

Wie ist aber der Trainingsumfang? Welchen Ausgleich zum Sport gibt es? Und: Welche Ziele für Paris hat Martina? Dazu die Athletin des BPRSV Cottbus: „Das Training ist täglich – und das zweimal! Dazu kommen noch Physio und andere Therapie-Formen, um das bestehende Problem Rücken/Rippen schnell loszuwerden.“

Abschalten kann sie am besten mit Ihrem Hund und Pferd sei das Ticket erst einmal gelöst, will Martina den jungen Leuten zeigen, was noch in ihr steckt. Ein Finalplatz sei dabei Pflicht. Am allerwichtigsten ist für die erfahrene Athletin jedoch, dass Paris friedliche und schöne Spiele erlebe. Ob mit oder ohne sie sei zweitrangig. Natürlich aber am besten mit Martina...

Paralympische Fechtaussichten für M-V

Auch „auf der Planche“ gibt es noch paralympische Chancen aus MV-Sicht… Im Rollstuhlfechten haben Sylvi Tauber und Balwinder Cheema (TuS Makkabi Rostock) leider nur noch geringe Teilnahme-Chancen für Paris. Beide haben schon paralympische Erfahrungen. Balwinder Cheema, Jahrgang 1979, ebenfalls TuS Makkabi Rostock, belegte in Rio 2016 einen guten neunten Platz mit dem Säbel. Und in Tokyo folgte Sylvi Tauber, Jahrgang 1979, auch TuS Makkabi Rostock, mit Rang acht mit dem Säbel. 

Balwinder Cheema erreichte bei den beiden letzten großen Meisterschaften, den EM 2022 und den WM 2023, sehr beachtliche Platzierungen. In den Team-Wettbewerben der EM 2022 gab es Platz vier (Säbel) sowie jeweils Rang sechs (Degen, Florett). Ein Jahr darauf, bei den WM, erkämpfte Balwinder mit den deutschen Teams Rang sechs (Florett) und Rang sieben (Säbel). Sylvi Tauber überzeugte ebenfalls bei den EM 2022, jubelte über Bronze mit dem Degen und kam auf Rang neun mit dem Säbel.

Vom Para-Kanu zur Para-Leichtathletik: Tom Kierey

Im Gespräch für die Paralympics 2024 ist auch der Wahl-Schweriner Tom Kierey, der seinen größten paralympischen Erfolg allerdings als Para-Kanute im Kajak feierte. So wurde Tom dreimal Weltmeister (2013, 2015, 2016), erreichte vier Medaillen bei EM zwischen 2013 und 2016 (dreimal Silber, einmal Bronze) und holte Silber bei den Paralympics 2016. In Tokyo gab es als paralympische Zugabe noch einen guten sechsten Platz. In Paris 2024 möchte der vielseitige Sportler in der Para-Leichtathletik antreten.

Ramona wieder mit Edelmetall auf der Tatami?

Zu ihren sechsten Paralympischen Spielen möchte dagegen Ramona Brussig, die Judoka vom PSV Schwerin. Bei vier Paralympics gab es für sie Edelmetall: 2004 Gold in Athen (bis 57 Kilogramm), 2008 Silber in Peking (bis 57 Kilogramm), 2012 Gold in London (bis 52 Kilogramm) und 2016 Silber in Rio (bis 52 Kilogramm). Im Jahr 2021 in Tokyo langte es immerhin zu Platz fünf (bis 52 Kilogramm). Ihre Zwillingsschwester Carmen (ebenfalls PSV Schwerin) startete hingegen in der Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm und schaffte dreimal Edelmetall: Bronze 2008, Gold 2012, Silber 2016. 2021 lief es nicht so gut - es wurde der 15.Rang.

Während Carmen ihre leistungssportliche Karriere beendete, machte Ramona nach Tokyo 2021 weiter und wurde bei den EM 2023 Dritte (Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm). Vielleicht klappt es in Paris ja mit der fünften Medaille für Ramona?

Para-Ruderer Marcus Klemp strebt zu Edelmetall

Ein Para-Ruderer des ORC Rostock strebt ebenfalls nach Paris – der gebürtige Rostocker Marcus Klemp, der schon einige herausragende Resultate erreichte. So nahm er an den Paralympischen Spielen 2008 in Peking und 2021 in Tokyo teil, erkämpfte bei WM einmal Gold (2007), zweimal Silber (2003, 2013) bzw. einmal Bronze (2009) und schaffte bei den EM 2020, 2021 und 2023 jeweils Einer-Bronze.

Marcus startete dabei für den Ribnitzer Sportverein von 1919 zwischen 1996 und 2021 und für die Offenbacher Rudergesellschaft Undine zwischen 2021 und 2022. Seit 2022 ist Marcus Mitglied des Olympischen Ruderclubs Rostock von 1956.

Bei den Paralympics 2024 liebäugelt der erfahrene Ruderer schon mit einer Medaille, wenngleich die Konkurrenz sehr stark sein wird. Eine paralympische Medaille hätte sich der gebürtige Rostocker längst verdient, ist er doch seit 2002 regelmäßig Mitglied der deutschen Nationalmannschaft im Para-Rudern.

Nun gilt es, den MV-Assen in Paris die Daumen zu drücken!

Marko Michels