Der Boxsport in Mecklenburg-Vorpommern ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte – von Max Schmeling bis hin zu Legenden wie Fritz Sdunek oder Ulli Wegner. Doch ein Datum leuchtet in dieser Historie besonders hell: Der 31. Juli 1976. An diesem Tag krönte sich Jochen Bachfeld in Montreal zum ersten Box-Olympiasieger unserer Region. Am 14. März 2026 ist dieser große Champion im Alter von 73 Jahren verstorben.

Der Triumph von Montreal: Ein Sieg des Willens

Sein Weg zu Gold war ein echtes Drama. Kurz vor den Spielen verletzt, kämpfte sich der für den SC Traktor Schwerin startende Wahl-Schweriner zurück und wurde nachnominiert. In der „L’Arena Maurice Richard“ war er schließlich nicht aufzuhalten:

  • Nach einem vorzeitigen Auftaktsieg glänzte er im Achtelfinale gegen den Sowjet-Russen Waleri Ratschkow (4:1) – ein Kampf, der als „vorweggenommenes Finale“ in die Geschichte einging.
  • Über Siege gegen Carmen Rinke und Victor Zilberman zog er ins Finale ein, wo er in einem nervenaufreibenden Fight den Venezolaner Pedro Gamarro mit 3:2 bezwang.

Damit sicherte Bachfeld der DDR das einzige Box-Gold dieser Spiele – in einem Feld voller Weltstars wie Sugar Ray Leonard oder Teofilo Stevenson.

Ein Leben für den Sport und die Heimat

Jochen Bachfeld war ein Techniker von Weltruf. Mit einer Bilanz von 107 Siegen in 122 Kämpfen prägte er die „Schweriner Schule“ an der Seite von Größen wie Richard Nowakowski und Bernd Wittenburg. Doch seine Stärke zeigte sich auch nach dem Gongschlag zur letzten Runde: Er absolvierte erfolgreich ein Studium an der DHfK Leipzig und widmete sein Leben als Sportlehrer und Erziehungstherapeut der Ausbildung junger Menschen.

Ein ewiges Vorbild

In einer Reihe mit Namen wie Andreas Zülow und Andreas Tews bleibt Bachfeld das Fundament, auf dem der Weltruf des Amateurboxens „Made in M-V“ bis heute ruht. Sein Tod hinterlässt eine Lücke in der Sportstadt Schwerin, doch sein Erbe – jener goldene Moment von 1976 – wird niemals verblassen.

Mecklenburg-Vorpommern verneigt sich vor einem großen Sportsmann. Ruhe in Frieden, Jochen Bachfeld.

P.S.: Mit seinem Triumph in Montreal schrieb Jochen Bachfeld nicht nur Box-Geschichte. Gemeinsam mit der 2019 verstorbenen Schwimmerin Andrea Pollack und dem Ruderer Michael Wolfgramm gehörte er zu jenem legendären Trio, das 1976 die ersten olympischen Goldmedaillen überhaupt für Schwerin errang. Damit legte er den Grundstein für eine Tradition, die später von Größen wie Gerd Wessig, Jürgen Schult, Stefan Nimke, Peter Kretschmer, Vanessa Low bzw. Ramona und Carmen Brussig fortgeführt wurde und Schwerin bis heute als Stadt der Olympiasieger und Paralympics-Sieger strahlen lässt.