Bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften 2024 in Leipzig überraschte eine siebzehnjährige Hanseatin die versammelte deutsche Elite und verblüffte zudem so manche Experten. Die siebzehnjährige Johanna Martin vom 1.LAV Rostock ist die neue 400 Meter-Hoffnung in der deutschen Frauen-Leichtathletik.

Tradition fortgesetzt...

Johanna setzt dabei zudem eine gute mecklenburgische Tradition über diese Strecke fort. Denn: Bei Olympischen Spielen setzten deutsche 400 Meter-Läuferinnen regelmäßig sportliche Akzente.

Vor 60 Jahren, bei den Spielen 1964 in Tokyo, feierte der 400 Meter-Lauf der Frauen seine olympische Premiere. Erste Olympiasiegerin wurde dabei die Australierin Betty Cuthbert – und eine Mecklenburgerin lief ebenfalls ganz stark. Gertrud Schmidt vom SC Traktor Schwerin, die 1963, 1964 und 1965 DDR-Meisterin über diese Distanz wurde, kam seinerzeit auf einen ausgezeichneten siebenten Platz.

Deutsche Erfolge über die 400 Meter und 4 x 400 Meter der Frauen

Erst acht Jahre später, bei den Spielen 1972 in München, gab es auch eine olympische Entscheidung für Frauen-Staffeln über die 4 x 400 Meter. Deutschland-Ost gewann in der bayrischen Metropole Gold, Deutschland-West holte Bronze. Den Einzellauf über die 400 Meter machten zwei Sächsinnen unter sich aus – die gebürtige Riesaerin Monika Zehrt (SC Dynamo Berlin) sicherte sich Rang eins, die gebürtige Leipzigerin Rita Wilden (TSV Bayer 04 Leverkusen) wurde Zweite.

Olympische Medaillen-Momente über die 400 Meter der Frauen bzw. die 4 x 400 Meter-Staffel der Frauen gab es 1976 in Montreal durch Brigitte Rohde (SC Neubrandenburg, Gold über 4 x 400 Meter), 1980 in Moskau durch die gebürtige Wismarerin Marita Koch (SC Empor Rostock, Gold über die 400 Meter und Silber über 4 x 400 Meter), 1988 in Seoul durch die gebürtige Warnemünderin Kirsten Emmelmann (Bronze über 4 x 400 Meter), die einige Jahre ebenfalls für den SC Empor Rostock startete, dann für den SC Magdeburg, und 1996 in Atlanta durch die in Röbel geborene Grit Breuer (Bronze über 4 x 400 Meter 1996 und bereits 1988 in Seoul im Vorlauf eingesetzt in der 4 x 400 Meter Staffel der DDR), viele Jahre beim SC Neubrandenburg aktiv.

Bei den Frauen-Leichtathletik-Events der Wettkämpfe der Freundschaft Mitte August 1984 in Prag, der Gegen-Veranstaltung in der Frauen-Leichtathletik zu den von vielen Ostblock-Ländern boykottierten Olympischen Spiele in Los Angeles 1984, triumphierte zudem Marita Koch (SC Empor Rostock) im 400 Meter-Lauf, Siebente wurde die Warnemünderin Kirsten Emmelmann.

Kann nun eine Noch-Siebzehnjährige die 400 Meter-Traditionen von M-V fortsetzen?! Johanna hätte auf jeden Fall das Talent dazu!

Nachgefragt bei Johanna

Prognosen sind immer schwierig...“

Frage: Herzlichen Glückwunsch zum Erfolg bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften 2024! Wie verlief der Wettkampf aus Ihrer Sicht?

Johanna Martin: Bei den Großen zu starten, ist schon eine aufregende Angelegenheit! Dennoch habe ich versucht, ruhig zu bleiben und meinen Wettkampfplan zu laufen. Und das hat letztendlich gut funktioniert.

Frage: Eigentlich sind ja die U 20-Leichtathletik-WM in Lima (Peru) Ende August das große Saison-Ziel für Sie… Wie schätzen Sie aber Ihre Chancen ein, auch bei Olympia in Paris dabei zu sein?

Johanna Martin: Olympische Spiele sind für fast jeden Sportler ein großer Traum. Sollte ich meine Leistungen in der Sommer-Saison noch ein wenig ausbauen können, und wir uns als deutsches Team bei der Staffel-WM (Anfang Mai in Nassau/Bahamas) qualifizieren, besteht tatsächlich eine realistische Chance für mich, schon in diesem Jahr mit dabei zu sein. Ob ich dann dort auch laufen werde, hängt vom Saisonverlauf und der Entscheidung der Bundestrainer ab.

Frage: Wie sieht nun Ihr sportlicher Fahrplan bis Ende August aus? Welche sportlichen Ziele möchten Sie dabei realisieren?

Johanna Martin: Da hängt vieles von den Leistungen ab, die ich laufen kann. Wir werden im März ein Trainingslager in der Türkei absolvieren und im April in Vorbereitung auf die Staffel-WM ein paar Tage in Spanien trainieren. Die großen Ereignisse, auf die ich mich auch fokussiere, sind die Europameisterschaften in Rom (7.-12.Juni), die Olympischen Spiele in Paris (26.Juli-11.August)und für mich als U20-WM in Lima (27.-31.August) zum Saisonabschluss.

Frage: Wie sieht eigentlich Ihr Tagesablauf aus – einschließlich Hobbys und/oder Ausgleichssport?

Johanna Martin: Eigentlich bewege ich mich bei acht Trainingseinheiten wöchentlich nur zwischen der Schule und unserer Trainingsstätte. Viel Freizeit gibt es da nicht.

Letzte Frage: Welche beruflichen und sportlichen Ziele haben Sie für die Zukunft?

Johanna Martin: Da antworte ich am besten mit Mark Twains Worten: „Prognosen sind immer schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen!“

 

Vielen Dank und weiterhin alles erdenklich Gute – persönlich, sportlich und beruflich!

Die Fragen stellte: Marko Michels.